Als wäre die Nacht vor Vorfreude nicht kurz genug gewesen, schellte um vier Uhr früh’s der Wecker. Der Schlaf wurde fix mit kaltem Wasser vom Körper gewaschen und in die bequemen Reiseklamotten geschlüpft. Der Koffer ist voll mit Mitbringsel für Freunde. Den riesigen Reiserucksack aufgebockt ging es los Richtung Nürnberger Flughafen. Die Aufregung und Vorfreude ließ die Fahrt so schnell vergehen, dass ich sie gar nicht wirklich wahrnahm. Nach dem schwersten Part der Reise, der Verabschiedung von meinen Lieben, betrat ich dann endlich die große Eingangshalle des Flughafen Nürnberg.

Als ich das gesamte Check- In Prozedere hinter mich gebracht hatte, ging es mit einem kleinen Flieger erstmal Richtung Düsseldorf, um dort den Direktflug nach Fort Myers zu nehmen. Die Aufregung, oder nennen wir es leichte Flugangst, bekam trotz der ganzen Vorfreude allmählich überhand. Mit einem Airbus 330, welcher nur zu gut ein Viertel gefüllt war, ging es dann nach dem kurzen Aufenthalt in Düsseldorf, über UK, Grönland und Canada nach Florida.

Das schon fast leer wirkende Flugzeug machte die knapp 11Stunden Flug nach Fort Myers angenehm, daman genügend Platz hatte, um es sich bequem zu machen. Die letzten zwei Stunden zogen sich dann aber doch ganz schön und kamen einem beinahe länger vor als die gesamte Flugzeit. Die Worte des Kapitäns, dass man sich im Landeanflugbefindet, waren eine Erlösung.

Die ersten Schritte aus des dem Flugzeug waren wie ein Schlag ins Gesicht. Zwar wurde im Wetterbericht mitgeteilt, dass Rekordtemperaturen für die Jahreszeit von 28 – 32°Czu erwarten sind, jedoch ist es noch mal eine ganz andere Nummer dies am eigenen Leib zu spüren – vor allem, wenn der Körper noch im Wintermodus ist.

Nach 1,5 Stunden Sicherheitscheck und Kofferkontrolle, bei dem sich die amerikanischen Behörden sehr am mitgebrachten Bauernleib (Brot) und den fränkischen Wurstspezialitäten interessierten, traf ich endlich, mit großen Emotionen, die schon in der Eingangshalle wartenden Freunde. Im vorübergehenden Zuhause angekommen, nahm ich erstmal eine kalte Dusche um wieder etwas wacher zu werden. Anschließend packte ich die Mitbringsel aus. Man könnte zwar denken, dass die Brotzeit mit Bauernleib, hausgemachten Presssack und Leberwurst nur für die „Amis“ etwas besonders gewesen war. Aber um ehrlich zu sein, war es für mich mindestens genauso besonders. Nicht weil es was anders ist typisch deutsche Kost unter Palmen zu essen. Nein, viel mehr, weil es etwas Besonderes war, sich nach so langer Zeit gemeinsam an einem Tisch zu setzen und sich über die verschiedensten Dinge unterhalten zu können. Selbst das amerikanische Bier (nach dem 3ten) schmeckte dank der Wiedersehensfreude.

Die erste Woche

Sonntag der 03.02.19 – Superbowl!

Der erste Tag und gleiche das volle amerikanische Programm! Genau nach meinem Geschmack, deshalb war ich dort, ich wollte die amerikanische Lebensweise, ihre „Kultur“ und alle ihre Gepflogenheiten unverschönt und hautnah erleben / kennenlernen. Deshalb zog es uns in eine große, direkt am Meer gelegene Sportbar! Die Stimmung war atemberaubend und die Bar gerammelt voll. Es ist schon in Deutschland schwer dem SuperBowl – Ereignis zu entgehen, selbst wann man sich für diese Sportart nicht interessiert, aber in Amerika –unmöglich!

Alles scheint perfekt und ich war total begeistert von der Stimmung, die offene und extrem freundlichen Art der Amerikaner. Kurz daraufaber das erste Fettnäpfchen, als ich mir ein Bier bestellen wollte, fragte der Barkeeper nach meiner ID! 

„ID? Come on, ich sehe doch eindeutig älter aus wie 16.“

Schnell machte es Klick im Kopf, 21 ist hier die magische Zahl. Zufällig hatte ich ein Foto meines Ausweises auf dem Smartphone, was sich der Barkeeper, zwei Sicherheitsbeauftragte und der Manager der Bar anschauten – die Situation war mir fast schon Peinlich, ich wollte schließlich nur ein kühles Blondes und wer konnte schon ahnen, dass das Vorzeigen eines Fotos solch einen Trubel auslösen würde. Aber Schlussendlich blieb es dabei – keine Chance! Alkohol gibt es nur mit Original ID! Nach dem ganzen Aufstand um ein Bier, schmeckte die kalte Coke um so besser.

Um ehrlichzu sein, würde es hier in Deutschland manchmal auch nicht schaden eine sostrenge Linie zu fahren.

Auch wenn sich außenstehende bei dieser Situation die Hände über den Kopf zusammenschlagen, weckt dieser Moment selbst beim Schreiben diese Blogeintrags ein Lächeln in mir hervor.

In der Zwischenzeit war das Spiel (welches wohl das langweiligste seit langem überhaupt war) in vollem Gange und das bestellte Seafood mit Curly Fries, welches man auch ohne ID bekam, schmeckte super. Auch wenn man vielleicht kein Fan von zu übermäßigen kommerziellen Ereignissen ist, muss man zugeben, dass die sogenannten Commercials sehr beeindruckend und äußerst amüsant waren. Alles inallem war es ein gelungener Abend der mit einem wunderschönen Sonnenuntergang gekrönt wurde.

So konnte es weiter gehen, was es auch tat!

Meine Reise ging weiter, nach Key West.

Früh am nächsten Morgen ging ab zur Fähre, auch Key West Express genannt.
Die Fahrt ins Paradies war traumhaft fast die gesamten 3,5 Stunden verbrachteich auf dem Deck. Der frische Wind der einem durch die Haare und um die Nase wehte in Kombination mit den warmen Sonnenstrahlen, einfach herrlich. Ehe man sich versah, legte das Schiff im Hafen von Key West an.

Schwer bepackt, mit einem fast schon viel zu großen Rucksack, machten wir uns bei voller Mittagssonne und sehr schwüler Luft auf in Richtung Hotel. Nach ca.45min. Fußmarsch kamen wir dann endlich in unserem kleinen Paradies an. Dort ließ ich es mir auch nicht nehmen, sofort und mit Klamotten in den Pool zuspringen! Etwas später ging es dann auf die Duval Street, um dort den Abend ingemütlicher Stimmung bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

Die nächsten Tagewaren gefüllt mit vielen Fahrradtouren auf der Insel, lustigen Begegnungen in ulkigen Bars wie Sloopy Joe mit guter Livemusik, etwas Shopping, den wohl berühmtesten Sonnenuntergängen, hunderten von Zuschauern und langen Spaziergängen durch die schönen kleinen Gassen mit diesem tollen karibisch angehauchten Flair! Es gab einfach in jeder Ecke was zu entdecken.

Wie es nun mal miteiner tollen Zeit ist, ging diese viel zu schnell rum und schon saß ich wieder auf dem Deck der Fähre zurück nach Lehigh Aces.

Die nächsten Tage waren gefüllt von langen Strandtagen und verschiedenen Foodtruck Festivals. Auf den Festivals gab es aber nicht nur Essen, die Stände waren sehr abwechslungsreich! Von Schmuck aus altem Silberbesteck, Klamotten, über Recycelten Surfbrettern, bis hin zu diversen konservierten Tieren in Harz undnatürlich massenhaft versch. Muscheln war wirklich alles Mögliche dabei! (zum Glück gibt es Gewichtsgrenze der Koffer beim Fliegen!)

Die einzige Konstante war das frittierte Essen. Egal was es gab, man konnte es auchfrittiert bestellen! Ich habe allerdings sehr schnell für mich entschieden, dassich immer explizit „grilled“ bestelle! Für die deutschen Mägen definitiv bekömmlicher.

Die ZweiteWoche!

Einmal kurz die Augen geschlossen und schon ist fast über die Hälfte der Zeit verstrichen, zumindest fühlte es sich so an. Aber dafür sollten sich die Abenteuer nochmals steigern!

Eine Kajak-Tour in Richtung Golf von Mexico:

„Ich habe heute ein wildes Manatee in freier Wildbahn ausdem Kajak gestreichelt…“.

Ich denke, das kann nicht jeder von sich behaupten, aber ja mir würde diese unglaubliche Ehre von diesen tollen Tieren gegeben. Sie tauchten plötzlich neben meinem Kajak auf und begleiteten mich ein Stück in Richtung des Golfs von Mexico.

Es mag sich vielleicht albern anhören, aber der Moment als diese riesigen, aber dennoch unglaublich gutmütigen und zärtlichen Tiere, es mir erlaubten mich ihnen so zu nähern und sie sogar zu streicheln berührtemich wirklich sehr. Gleichzeitig fühlte ich aber auch Wut, als ich die großen Narben sah, welche über ihren ganzen Körper verteilt waren.

Diese Narben entstehen durch die Propeller der Motorboote, da sich einige Menschen trotz etlicher Warnschilder, nicht an das Tempolimit halten und somit diesen tollen Wesen noch nicht mal den Hauch einer Chance zum Abtauchen geben und sie schwer oder teilweise sogar tödlich verletzen! So erzählte es mir meine Freundin, die dort öfter zum Entspannen mit dem Kajak ihre Runden dreht.

Dieser Fakt machtemich sehr traurig und beschäftigte mich noch lange. Man begegnet leider immerwieder Menschen die unsere wunderschöne und einzigartige Natur mit Füßen treten und Sie mutwillig zerstören! Wenn nicht bald ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfindet, wird unser Planet bald nicht mehr der sein, der er mal war!

Die wilden Manatees tauchten schließlich genauso unvorhersehbar und lautlos wieder ab, wie sie gekommen waren. Neben ihnen zeigten sich noch einige, sich der Sonne badende Alligatoren, Schildkröten, wunderschöne Vögel und sogar Wasserschlangen! Die Natur zeigte sich an diesem Tag von ihrer vielfältigsten und beeindruckendsten Seite! Dankedafür!

An derAnlegestelle angekommen, leerte ich den bei der Kajak-Tour gesammelten Müll ab. Es war so ziemlich alles, von Angelschnüren & Haken über Zigaretten bis hinzu Flaschen und dem üblichen Plastikschrott, dabei! Die Crew vom Bootverleih wardavon so begeistert, dass sie uns auf ein Bier einlud und sich etliche mahle dafür bedankten.

Am nächsten Tag ging es dann für einen Kurztrip nach Sanibel dem berühmten Muschelstrand! Dort habe ich dann einige tolle Muscheln als Andenken gesammelt, sowie eine Fahrradtour über die ganze Insel unternommen. AmAbend gab es dann einen unglaublich schönen Sonnenuntergang am Strand von Captiva! Wieder einmal ein toller Fleck Erde, auf dem man sich durchaus vorstellen könnte zu Leben!

Die 3te Woche

Spontan ist doch oft am besten! Kurz nach dem Frühstück erhielt meine Freundin einen Anruf eines alten Klassenkameraden. Dieser hatte erfahren, dass sie mich zurzeit zu Besuch bei sich hatte und lud uns daraufhin, zu einem Segeltrip, auf seinem Boot ein. Da wir noch nichts für diesen Tag geplant hatten, sagten wir sofort zu, suchten unsere Sachen zusammen und fuhren los – nach St. Petersburg / Tampa Bay.

Nach gut 3Stunden kamen wir an seinem kleinen Häuschen, direkt am Golf liegend, an. Er begrüßte uns sehr herzlich und servierte uns sogleich eine tolle lauwarme Fischsuppe mit frisch gefangenem Fisch und Garnelen.

Nach einem netten Plausch, bei einer leckeren Suppe, einem kühlen Bier und herrlichemWetter auf seiner schönen Terrasse, direkt am Wasser bzw. an seinem Boot, ginges dann am frühen Nachmittag los – aufs offene Meer! Gekonnt segelte er mit uns auf den Golf von Mexico, der sich an diesemTag von seiner freundlichen Seite zeigte. Nach dem der aktive Teil geschafft war konnten wir uns nun einfach vom Wind treiben lassen und in der Sonneentspannen. Die sanften Schaukelbewegungen der Wellen trugen dazu bei, dass ichrelativ schnell weg döste. Kurz darauf wurde ich aber von einem schrillen

oh my Godness, lookat these,how awesome!“

geweckt. Es dauerte einen Moment, bis ich sah, was den passierte bzw.registrierte was los war.

Da waren sie, eine große Schule von Delphinen direkt an unserem Boot! Sie begleiteten uns ein Stückchen, allerdings bekamen wir gesagt das wir uns beeilen sollten, falls wir Bilder machen wollen. Der Grund hierfür sei ganz einfach: Sie wollten einfach nur abchecken, ob wir Fisch dabei hatten. Da dies nicht der Fall war, zogen sie tatsächlich kurze Zeit später weiter. Sind eben intelligente Tiere.

Kurz vor dem Sonnenuntergang segelten wir wieder Richtung Bucht, um ihn dann gemütlich bei einem Glas Wein auf dem Steg anzuschauen.

Als die Sonne dan nnach einem fantastischen Untergang weg war, verabschiedeten wir uns von unserem lieben Gastgeber und machten uns auf die Heimreise. Zuhause angekommen hüpfteich dann unter die Dusche und von dort direkt ins Bett. So gut habe ich schonlange nicht mehr geschlafen!

Last but not least – The Everglades!

Der Trip auf dem Airboot bzw. Sumpfboot durch die Everglades gehörte mit zu meinen Highlights der Reise. Alleine das Feeling, die Power des V8 Motors zu spüren, der Geräuschpegel und der Moment, wenn das Boot immer wieder leicht den Kontakt zur Wasseroberfläche verlor – einfach unvergesslich!  Aber auch dieser witzige Südstaatentyp, der die Tour leitete, mit seinem derben Sinn für Humor und der Fähigkeit dann umsodreckiger über seine eigenen Witze zu lachen. Einfach unvergesslich.

Das tollste hier war dann aber wieder mal die unberührte Natur, mit ihrer Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen. Die Alligatoren ließen sich einfach im Wasser treiben oder lagen überall faul herum, ähnlich wie bei uns die Enten!

Als Tour –Highlight stelle er uns dann noch „Lucy“ vor, eine riesige 32 ft lange Anakonda. Lucy haben sie, in dem Gewässer in dem unsere Tour stattfand, vor einiger Zeit gefangen. Sie wurde dann dort in ein geeignetes Gehege eingesperrt, da sie nicht zu einer heimischen Tierart gehört (sprich eingeschleppt/ ausgesetzt wurde) und sie dort die heimischen Tierarten gefährdet. Manmöchte sich gar nicht vorstellen, was sich noch alles in der 1,5 Meter tiefen Schlammschicht und gerade mal 30cm Wasserschicht unter einem fortbewegte oder gar gelauert hat!

Bei dem Gedanken bekomme ich Gänsehaut, vor allem wenn ich dabei an die „kleine Lucy“ denke.

So ging auch dieser Tag zu Ende, leider viel zu schnell.

Die nächsten Tage verbrachte ich dann noch viel Zeit am Meer und besuchte mehrere kleine Veranstaltungen wie Flohmärkte und Live konzerte in kleinen Bars. Einfach mal die Seele baumeln lassen und die Füße entspannen.

Dann war er auch schon da, der Abreisetag. Früh gingen wir alle noch mal zusammen Frühstücken und dann hieß es Heim und Koffer packen. Um 15 Uhr ging es dann zum Flughafen. 2 Stunden später war dann der erneute Check In geschafft! Pünktlich ging es dann los, zurück in´s schöne Heimatland!

Um 10 Uhr in der Früh des nächsten Tages landete der Flieger, welcher so wenig Passagiere an Bord hatte das er Gewichtskritisch (zu leicht) war und dem entsprechend auchrecht unruhig flog, nach knapp 9 Stunden in Düsseldorf. Dann wieder ein kleiner Hüpfer nach Nürnberg und ab mit dem Zug zurück nach Hause!

Gegen 16 Uhr war es geschafft! Endlich wieder daheim!

Es war eine unbeschreibliche Erfahrung, mit vielen tollen Abenteuern und den verschiedensten Eindrücken, die ich nie vergessen werde. Sicher ist ab,  irgendwann werde ich sie meinen Kindern und Enkelkindern erzählen.

Dieser Trip hat meine Erwartungen bei weitem Übertroffen!

Danke an alle Menschen, die ich kennenlernen durfte und vor allem an all die jenigen, diemir auf alle erdenkliche Art und Weise dazu verholfen haben!

Hope I´ll see you again – United States of America. It was a Pleasure to meet you!

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